Richtig Streiten als Paar - geht das denn überhaupt?
Sieben Regeln können helfen
Welche Fallen sind vermeidbar und worauf sollten Sie achten?
1. Verschleppen eines nötigen Streits:
Viele hoffen, dass ein Konflikt sich von selbst erledigt, oder wollen nicht als zänkisch gelten, indem sie Konflikte schon im Frühstadium thematisieren. Häufige „Spitzen“, Augenrollen, ironische Nebenbemerkungen oder ausweichen und das Schleichen um den heißen Brei sind jedoch Signale. Fragen Sie sich dann: „Was genau stört mich?“.
Sprechen Sie Konflikte zeitnah an, bevor sie sich verhärten.
2. Spontane Ansprache zwischen „Tür und Angel“ und vor Zeugen:
Bei der Aussprache in der Öffentlichkeit fürchtet Ihr Partner, sein Gesicht zu verlieren. Dann geht es schnell nur darum, vor den Anderen Recht zu behalten. Lösen Sie Konflikte möglichst unter vier Augen. Auch wenn Ihnen ein Ärgernis unter den Nägeln brennt, sollten Sie Ihren Partner auf ein Streitgespräch einstellen. Niemand wird gerne mit unangenehmen Dingen an der Haustür „überfallen“. Die Zeit vor dem Zubettgehen ist übrigens ebenfalls denkbar ungeeignet.
Vorbereitet und ungestört vergrößern sich die Möglichkeiten.
3. Leidige Grundsatzdiskussionen:
Was ist schlimmer: Geiz oder Verschwendung? Wer leidet schlimmer von uns? Bin ich zu pedantisch oder du zu chaotisch? Sich in solche allgemeinen Diskussionen zu verstricken bringt keine sinnvollen Lösungen. Grenzen Sie das Thema ein auf konkrete Fragen wie z. B. „Wann muss die Wäsche im Wäschekorb sein?“, „Welche Geldausgaben werden allein entscheiden und welche gemeinsam?“.
Konzentrieren Sie sich auf einen konkretes lösbares Problem.
4. Beharren auf Positionen:
Nur Beweise für die eigene Sichtweise zu sammeln klärt keinen Streit. Stellen Sie zunächst Fragen, um Ihrem Partner die Möglichkeit zu geben, seine Sichtweise darzustellen. Verschiedene Sichtweisen dürfen dabei ruhig zunächst nebeneinander stehen bleiben. Fragen sie im zweiten Schritt danach, was Ihr Partner von Ihnen benötigt und weshalb das für ihn so wichtig ist.
Wenn Sie die genauen Bedürfnisse kennen, entstehen meistens Lösungen.
5. Sich zu schnell auf eine Lösung fixieren:
Der Streit um die angeblich einzig denkbare Lösung wird bald zäh und unergiebig. Selbst zwei Lösungen führen ein Paar in ein Dilemma. Drei Lösungsmöglichkeiten sind das Minimum für eine vernünftige Entscheidung. Kreativität ist also gefragt, um beiden Seiten eine dauerhafte Lösung zu bringen.
Entwickeln Sie verschiedene Wahlmöglichkeiten – auch wenn es zunächst Zeit kostet.
6. Ruhe haben um jeden Preis:
„Na gut, dann machen wir es eben so wie Du sagst“ bringt neuen (oder alten) Zündstoff in die Partnerschaft. Nur wenn beide Partner hinreichend zufrieden gestellt sind, kann der Konflikt als gelöst angesehen werden. Andernfalls bleiben „alte Rechnungen offen“, die später auf andere Weise beglichen werden.
Lenken Sie nicht voreilig um des lieben Friedens willen ein.
7. Auseinandergehen ohne eine Vereinbarung:
Dann wäre die Zeit des Streits vergebens gewesen. Verständigen Sie sich entweder auf eine Lösung oder einen Zwischenschritt wie z. B.: Bis Mittwoch notiert jeder, was für ihn bei diesem Streitthema sehr wichtig und an welchen Punkten er kompromissbereit ist. Auch Vertagen ist eine Option: „Lass uns am Donnerstag nach dem Abendbrot weitersprechen“. Und auch wenn Sie zu einer Lösung kommen: Wann ziehen Sie eine Bilanz und überlegen, ob die bisherige Lösung so weiterbestehen kann?
Verbleiben Sie verbindlich: Wann geht es wie weiter?
Die meisten Paare sind im Umgang mit Konflikten ungeübt und gehen Streit gerne aus dem Weg. Konflikte nicht anzusprechen kostet aber auf Dauer gesehen mehr Kraft, als den eigenen Widerstand zu überwinden. Und: Auch Streiten ist erlernbar.
Für ein Paarcoaching wenden Sie sich gerne an meine Kollegin: https://www.maikebrinkmann.de/paarberatung
